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Erotik und Sexualität im Witz

Autor:
Dr. Walter Kiefl
Verlag:
MentaLibre, München
Erscheinungsjahr:
2009
Sonstiges:

Taschenbuch
106 Seiten
Preis 10,00 €
ISBN 978-3-940223-01-2

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Leseprobe
Vorbemerkungen

Das vorliegende Buch bezieht sich auf einen früher erschienen Sammelband über erotische Phantasien und kann in gewisser Weise als dessen Ergänzung betrachtet werden (*1), besteht doch eine Gemeinsamkeit von erotischen bzw. sexuellen (*2) Witzen (*3) und erotischen Phantasien darin, dass es sich bei beiden um (im allgemeinen relativ harmlose) Manifestationen des Drangs handelt, sich unter der Erfordernis gesellschaftlicher Triebkontrolle zumindest in Gedanken mit sexuellen Themen zu befassen. In Anbetracht der für ein (möglichst) konfliktfreies menschliches Zusammenlebens unumgänglichen Frustration sexueller Wünsche und Strebungen leisten Witze – ähnlich wie Phantasien – einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung. Insofern erfüllen sie ebenfalls Ventilfunktionen, doch geht es dabei weniger um eine individuelle Spannungs- und Frustrationsbewältigung als um die Wahrnehmung kollektiv gebotener Möglichkeiten dazu (*4). Dabei ergeben sich die meisten Berührungspunkte mit den sog. Ventil-Phantasien (Kiefl/Soussaine 2006, S.30 ff.), also mit Vorstellungen und Bildern, bei welchen den Phantasierenden die prinzipielle Nichterfüllbarkeit bewusst ist und demzufolge auch keinerlei Realisierungsgedanke besteht.

Sowohl für sexuelle Phantasien als auch für sexuelle Witze (und generell für sämtliche sozio-kulturellen Phänomene) gilt, dass ein weitergehendes Verstehen durch Wertungen erschwert wird, so dass in der vorliegenden Auswahl bewusst darauf verzichtet. wurde. Es mag sein, dass einige Beispiele als ziemlich geschmacklos, diskriminierend, zynisch, frauenfeindlich usw. empfunden werden, doch hat es noch nie gut getan, die sich aus dem jeweiligen Zeitgeist ergebenden Beurteilungen zum alleinigen Maßstab zu machen. Eine pauschale Abqualifizierung als „Zote“ bringt das beklagte Phänomen nicht zum Verschwinden, sondern allenfalls eine nüchterne Analyse der Gründe, warum ein wichtiger, teilweise lustvoller aber zugleich auch ziemlich problematischer Bereich menschlicher Existenz (auch) mit mehr oder weniger versteckter verbaler Aggression behandelt wird. Bestrebungen, nicht ins Konzept „politischer (bzw. sexueller) Korrektheit“ passende Sachverhalte zu negieren bzw. zu verdrängen mögen inzwischen auf vielen Gebieten gängige Praxis sein, doch lohnt sich jeder noch so kleine Versuch, solchen aus Opportunismus geborenen Versuchungen zu widerstehen.

Beispiele:

24. Ein Langzeitarbeitsloser kommt vom Besuch beim Arbeitsamt heim. Vor dem Haus ruft er seiner Frau durchs offene Küchenfenster freudig zu: „Ich hab eine neue Stellung!“
Die Frau schimpft:
“Du Drecksau, such dir lieber eine Arbeit!“

25. Ein Mann betritt ein Hutgeschäft:
„Guten Tag, ich hätte gerne einen Hut.“
Der Verkäufer bringt ihm einen.
„Wie viel kostet der?“
„45 Euro.“
„Das ist mir zu teuer. Haben Sie keinen billigeren?“
„Wie wäre es mit dem? Der kostet 32 Euro.“
„Nein, der ist immer noch zu teuer. Geht’s nicht noch billiger?“
„Dieser Hut kostet 19 Euro. Das ist derzeit unser preiswertestes Modell.“
„19 Euro ist mir zuviel Geld. Was günstigeres haben Sie nicht?“
„Wie viel möchten Sie denn ausgeben?“
„Nun, 5 Euro wäre für mich die Obergrenze.“
„In dieser Preislage haben wir nur Zipfelmützen. Wollen Sie eine?“
„Nein, es sollte schon etwas für den Kopf sein.“

26. Ein Mann geht in ein Hutgeschäft und sieht sich dort um. Im obersten Fach entdeckt er einen Hut, der ihm gefällt und deutet darauf. Die Verkäuferin fragt ihn: „Soll ich Ihnen einen runterholen?“
„Ja gerne, aber den dritten Hut von links im oberen Fach möchte ich auch noch haben.“
Rezension

Klappentext

Motive, Funktionen und Inhalte

Ähnlich wie erotische Phantasien helfen entsprechende Witze, mit den gesellschaftlich und kulturell geforderten Einschränkungen des Trieblebens umzugehen.
Mit zahlreichen Beispielen.

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